Normopathie – Wenn Anpassung wichtiger wird als du selbst

Was ist Normopathie?

Regeln, Normen und ein gewisses Maß an Anpassung gehören zu jeder funktionierenden Gesellschaft. Sie geben Orientierung, schaffen Sicherheit und erleichtern das Zusammenleben. 👍

Problematisch wird es jedoch, wenn die Einhaltung von Normen wichtiger wird als das eigene Denken, Fühlen und Handeln. In diesem Zusammenhang spricht man von Normopathie.

Normopathie ist keine Krankheit, sondern ein Wesensmerkmal. Sie beschreibt eine übermäßige Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen – oft auf Kosten der eigenen Bedürfnisse.

Wenn Anpassung den Selbstkontakt ersetzt

Menschen mit normopathischen Anteilen gelten häufig als pflichtbewusst, brav und zuverlässig. Sie orientieren sich stark daran, was als „richtig“, „normal“ oder „erlaubt“ gilt.

Mit der Zeit kann dabei jedoch etwas Wesentliches verloren gehen: der Kontakt zur eigenen inneren Stimme. 😔

Eigene Gefühle, Wünsche oder Grenzen werden übergangen, um Erwartungen zu erfüllen oder Konflikte zu vermeiden. Das Leben fühlt sich dann zunehmend leer, fremdbestimmt oder sinnlos an.

Mögliche Folgen von Normopathie

  • innere Leere oder Erschöpfung
  • das Gefühl, nicht wirklich man selbst zu sein
  • Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen
  • Anpassung aus Angst vor Ablehnung
  • Verlust von Lebendigkeit und Lebensfreude

Man lebt für die Normen – nicht mehr für sich selbst.

Beispiele aus dem Alltag

Beispiel 1: Arbeit

Norm:
Alle machen unbezahlte Überstunden.

Normopathie:
Ich mache ebenfalls unbezahlte Überstunden, obwohl ich müde bin und es eigentlich nicht will.

Selbstkontakt:
Ich gehe nach Hause, weil ich meine Grenzen ernst nehme und mein Wohlbefinden wertschätze.

Beispiel 2: Beziehung

Norm:
Beziehungen bestehen aus zwei Personen. Andere Beziehungsformen gelten als „unnormal“.

Normopathie:
Wir beenden unsere offene Dreierbeziehung, obwohl sie für alle Beteiligten stimmig ist, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.

Selbstkontakt:
Wir leben unsere Beziehung bewusst weiter, weil alle freiwillig, ehrlich und zufrieden damit sind.

Der Weg zurück zu dir selbst

Regeln und Normen können hilfreiche Orientierungshilfen sein. Entscheidend ist jedoch, wer die Führung übernimmt: die äußere Erwartung – oder deine innere Ausrichtung.

Selbstkontakt bedeutet, die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Das kann bedeuten, gelegentlich gegen den Strom zu schwimmen oder andere zu enttäuschen.

Langfristig stärkt es jedoch die seelische Gesundheit und die eigene Authentizität.

Wann Unterstützung sinnvoll sein kann

Wenn du merkst, dass Anpassung dein Leben bestimmt, du dich selbst kaum noch spürst oder Entscheidungen vor allem aus Pflichtgefühl triffst, kann therapeutische Begleitung hilfreich sein.

In einem geschützten Rahmen lässt sich erkunden, welche Normen du übernommen hast, wo du dich selbst verloren hast und wie du wieder in Kontakt mit dir kommst.

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